Bardowicker Geschichte

Als die Bardowickerinnen Hamburg eroberten

 

Christian Schlöpke, der 1704 die "Chronicon oder Beschreibung der Stadt und des Stifts Bardewick" verfaßte, berichtet, einige Geschichtsschreiber hielten Bardowick für eine uralte Stadt, "älter als das alte Rom selbst". Doch solche Behauptungen halten wissenschaftliche Nachprüfungen nicht stand. Allerdings weist der in alten römischen Urkunden erwähnte Name "Bardorum vicus" schon lange vor der ersten dokumentierten Erwähnung der Ortschaft "Bardewic" im Jahre 795 auf einen aufstrebenden Handelsplatz in Norddeutschland hin. Es ist anzunehmen, aber umstritten, dass Bardowick seinen Namen nach dem dort ansässigen Volksstamm, den Langobarden, erhalten hat. Die aus Skandinavien eingewanderten Langobarden waren etwa vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Ch. an der Unterlebe seßhaft. Der zahlenmäßig kleine germanische Stamm wurde im Norden von den Sachsen und im Osten von slawischen Völkern bedrängt. Daher wanderten die Langobarden nach Süden, wo sie 568 n. Chr. in Oberitalien ein eigenes Reich gründeten, die Lombardei. Die an der unteren Elbe zurückgebliebene langobardische Bevölkerung ging in der Generationsfolge im Stamm der Sachsen auf. Dieser Prozeß war im 8. Jahrhundert als in der sächsischen Literatur die Bezeichnung "Bardengau" erstmals auftauchte, längst abgeschlossen. Der Name Bardengau hat sich, ebenso wie der Name des Hauptortes "Bardewic", als geschichtliche Erinnerung an die Langobarden behauptet.
Zweifelsfrei dokumentiert ist die Geschichte der Ortschaft Bardowick seit 795 n. Chr. In der zeitgenössischen Chronik über die Geschichte des Fränkischen Reiches wird (in lateinischer Sprache) berichtet, daß Karl der Große 795 mit einem Heer in den Bardengau gezogen sei, um die Sachsen zu bekämpfen und in unmittelbarer Nähe von Bardowick sein Lager aufgeschlagen habe. Bardowick wurde zum Sitz eines königlichen Gesandten, der über den Handel auf den Fernstraßen nach Osten wachte.
Im Jahre 805 wurde im "Capitulare von Diedenhofen" festgelegt, daß fränkische Kaufleute auf dem Weg in die slawischen Gebiete nördlich der Elbe über Bardowick reisen mußten. Dort wurden sie kontrolliert, denn die Ausfuhr von Waffen und anderem Kriegsmaterial war verboten. Der Aufstieg Bardowicks zum zetralen Umschlagplatz für den Ost-West- und Nord-Süd-Handel läßt sich durch die verkehrsgünstige Lage der Ortschaft an der unsicheren Slawengrenze erklären. Ein Handelsweg führte von Bardowick durch die Elbmarsch zur Furt nach Artlenburg. Die Ilmenau war zur damaligen Zeit erst ab Bardowick schiffbar. Der Wasserweg über Ilmenau und Elbe stellte die Handelsverbindung zum offenen Meer dar.
Später wurde das kostbare in Lüneburg gewonnene Salz von den Bardowicker Schiffern auf dieser Strecke transportiert. Zunehmend siedelten sich Kaufleute in Bardowick an, die flächenmäßige Ausdehnung der Stadt war deutlich größer als die der historischen Lüneburger Innenstadt.
Doch der Handel machte nur eine Seite der Bekanntheit Bardowicks aus, den Ort erlangte auch zunehmend politische und krichliche Bedeutung. Nachdem Karl der Große (747 - 814) ganz Sachsen unterworfen hatte, wurde Bardowick Sitz eines geistlichen Stifts und als Grenzort gegen die "heidnischen" Slawen ausgebaut. Ob der Dom, Bardowicks älteste Kirche, jemals Bischofssitz war, ist umstritten. Sicher aber war der Dom ein Kollegiatstift, d.h. dort wirkten eine größere Anzahl von Klerikern, die sich einem mönchischen Lebensstil unterworfen hatten. Von Bardowick aus betrieben sie nach klösterlichen Regeln Missionsarbeit. Was in den Chroniken stols als "Bekehrung" der Slawen gerühmt wird, war stets die totale Unterwerfung der Besiegten.
Während dieser unruhigen Zeit soll 782 der später heiliggesprochene Missionar Marianus auf der alten Ilmenaubrücke bei Bardowick ermordet worden sein. Zu den Missionsaufgaben des Domstifts kamen umfangreiche Verwaltungsaufgaben, so wurde Alt-Bardowick zum kirchlichen Zentrum des Bardengaus.


Quelle: Samtgemeinde Bardowick, Festschrift zum 1200- jährigen Jubiläum