Gemüseernte 2002

Die Gemüseanbauflächen im Land Niedersachsen sind breiter verteilt als die Obstflächen, so dass ungünstige Klimaverhältnisse in einem Anbaugbiet im Landesdurchschnitt besser ausgeglichen werden können. Der Gemüseanbau auf dem Freiland wurde dieses Jahr um fast 10% ausgedehnt. Die Kartons der großen Erzeuger und Erzeugergemeinschaften aus Niedersachsen sind in den Verbraucher- und Discountmärkten immer öfter und länger zu sehen. Der Konzentrationsprozeß hin zu großen Anbauern, die die Zentralen der Lebensmittelketten direkt befliefern können, läuft weiter.

Die Erträge der einzelnen Früchte waren stark standortabhängig. In den Senken, Flußniederungen und auf Feldern mit schwereren, nassen Böden kam es nach dem 20. Juli zu Totalausfällen, z.B. wegen Überflutung der Ilmenau, wegen Wasserschäden bzw. Unbefahrbarkeit der Felder. Wenn das Gemüse ca. 2 Tage im Wasser steht, sterben die Wurzeln wegen Sauerstoffmangel ab und die Pflanze verfault. Ein feucht-warmes Treibhausklima fördert das Massenwachstum, aber zugleich auch die Ausbreitung von Pilzinfektionen und damit das vorzeitige Absterben der Pflanzen. Viele Gemüsearten müssen zu einem ganz exakten Wachstumspunkt geerntet werden und wenn dann das Feld nicht befahrbar ist, ist die Ernte verloren. Blühenden Brokkoli oder geschossten Salat kann man nicht verkaufen. Dafür lieferten Standorte mit wenig Beregnungsmöglichkeiten auf trockenen Böden dieses Jahr ungewohnt gute Erträge. Die Berechnung der Erntemengen war schwierig, da die Erntemeldungen dieses Jahr extrem weit streuten. Von sehr guten Erträgen bis zu den Totalausfällen waren alle Zwischenstufen vertreten. Wenn nicht die großen Nässeschäden gewesen wären, hätte das feucht-warme Wetter ein gute Ernte gebracht. So haben nur die Anbauer auf sehr leichten Böden von dem Wetter profitiert, alle anderen mussten Ertragsausfälle einstecken.

Rätselhaftes Spargeljahr

Die Spargelpflanzen konnten im Sommer 2001 genügend Reservestoffe in den Wurzeln einlagern und so ein gutes Fundament für den diesjährigen Austrieb legen. Die Spargelsaison 2002 fing nach einer Wärmeperiode mit geringen Mengen unter Folie schon sehr früh im April an. Bis ca. 10. Mai war es dann allerdings zu kalt für hohe Erträge (vgl. Link Wettergrafiken, Grafik 5). Die tägliche Ernte erreichte ab 10. Mai ein normales Niveau und hielt sich während der Saison relativ konstant, lag aber insgesamt noch 18% unter den Mengen des wechselhaften Vorjahres. Dabei gab es weder eine längere Hitzeperiode mit plötzlich zu hohen Erträgen noch eine längere Kälteperiode mit Ertragsausfällen.

Der Anteil der begehrten, dicken, gewichtigen Stangen enttäuschte sehr und gibt einige Rätsel auf. Manche Meinungen gehen dahin, dass das mit dem extrem nassen September 2001 (vgl. Wettergrafiken) im Zusammenhang stehen könnte. Manchmal regnete es auch während der Saison bei den häufigen Unwetter so stark, dass selbst auf den Sandböden zwischen den Reihen das Wasser stand. Der Spargelabsatz litt anscheinend unter der gerade zur Saison heftigen Euro-Teuro Diskussion. Die Preise lagen trotz geringerer Ernte unter denen des Vorjahreszeitraumes! Entgegen allen Erwartungen griffen die Verbraucher trotzdem zögerlicher zu dem Edelgemüse, was sich in den Erzeugererlösen doppelt (Menge + Preis) bemerkbar machte.


Stressige Erdbeerensaison

Die Erdbeerensaison verlief dieses Jahr für viele Betriebe sehr unglücklich. Es fing schon damit an, dass es zur Blüte der unter Folie verfrühten Sorten relativ kalt und windig war. Trotz Folienabdeckung über Nacht kam es, wie beim Obst zu Frostschäden an den Blüten. Zugleich hinderten klamme Temperaturen und kräftige Winde die Bienen tagsüber am emsigen Bestäubungflug. Vom Frost teilgeschädigten Blüten entwickeln verkrüppelte Fruchtformen.

Der Ertrag und die Fruchtgröße auf den ab ca. 18. Mai geernteten, verfrühten Feldern war unbefriedigend, bei allerdings guten Preisen. Das anschließend feucht-warme Wetter im Juni förderte das Mengenwachstum, brachte aber ganz erhebliche Probleme mit schnell sich ausbreitenden Pilzkrankheiten. Zusätzlich verhagelten dieses Jahr die ungewöhnlich häufigen Unwetter manche Ertragshoffnung.

Die Hauptsaison setzte wieder relativ früh (Ende Mai - Anfang Juni) ein und dauerte bei den Spätsorten bis in die zweite Juliwoche. Bis weit in den August hinein wird noch die speziell spät gepflanzte, aufwändige "Terminware" geerntet. Zur Hauptsaison fehlte die Sonne und es war zu feucht. Die wenigen Sonnentage zwischendurch führten zu einer plötzlichen Reife großer Mengen, was oft weder von der Pflücke noch vom Verkauf bewältigt werden konnte und die Preise stürzten. Die insgesamt geernteten Mengen, dieses Jahr schon eher als "Durchschnitt von Ernteglück und Erntepech" zu bezeichnen, schwankten innerhalb der Saison, von Gebiet zu Gebiet und von Betrieb zu Betrieb sehr stark, so dass die Zahl in der Ergebnistabelle wirklich nur den -guten- rechnerischen Durchschnitt beschreibt. Es gab durchweg sehr oft Qualitätsprobleme, so dass mit sehr hohem Sortieraufwand, hohen Kosten, hohen Verlusten geerntet werden musste.
Obsternte 2002 sehr gering
Die Hochzeiten der Selbstpflückwelle scheinen vorbei zu sein. In den Selbstpflückplantagen ist bei wenigen Regentropfen der Besuch sehr gering. Trotzdem muss immer durchgepflückt und gesäubert werden, denn nur gepflegte, konsequent geführte Anlagen sind Besuchermagneten. Es ist auch bei den Erdbeerplantagen der Trend zu größeren Flächen mit einer straff organisierten Vermarktung zu bemerken, die von meist polnischen Saisonkräften abgeerntet werden. Auch der Export entwickelt sich, hat aber mit den gleichen Problemen wie der Import, z.B. aus Italien und Spanien, zu kämpfen: Die Erdbeere schmeckt ausgereift gepflückt und innerhalb weniger Stunden gegessen am besten. Der große Vorteil der lokalen Erzeuger. Die reife Frucht muss extrem schnell vermarktet werden. Lange Transportzeiten schaden dem Geschmack und fördern den Gammelanteil an den unruhigen Beeren. Auch mit Kühltransportern oder einer "Nachreife" unreif gepflückter Beeren während des Transportes und der Lagerung ist dies prinzipiell nicht zu beheben. Rote Früchte ohne Geschmack fördern den Absatz in keinem Land. Nur die gesunden Leckereien werben und bringen neue Kunden. 

 

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Quelle: 
Niedersächsisches Landesamt für Statistik (NLS),
Dezernat 34, Georg Keckl, Tel.: 0511 9898 3441, Fax 4344
Weitere Ergebnisse aus der Erntestatistik finden Sie unter:
http://www.nls.niedersachsen.de/Tabellen/Landwirtschaft/Landwirtschaft.html
E_mail: georg.keckl@nls.niedersachsen.de