Obsternte 2002 sehr gering


Der niedersächsiche Marktobstanbau konzentriert sich am Südufer der Niederelbe in den Kreisen Stade, Harburg und Cuxhaven. Hier befinden sich 95% der Apfelflächen, 89% der Süßkirschenflächen der niedersächsichen Marktobstbetriebe, 40% der Sauerkirschenfläche und 84% der Pflaumen/Zwetschenfläche. Das "Alte Land" zwischen Hamburg-Finkenwerder und Stade ist vom Obstanbau geprägt. Die Konzentration des niedersächsischen Obstanbaues auf die Elbmarschen hatte dieses Jahr fatale Folgen. Klima- und Hochwasserstandsschäden in den Marschen konnten nicht durch bessere Ernten in anderen Lagen ausgeglichen werden. Es kam zu drastischen Mengeneinbrüchen . Ein Teil der Mengenveränderungen ist auf geänderte Flächenzahlen zurückzuführen. 2002 gab es wieder eine nur alle fünf Jahre durchgeführte Obstanbauerhebung. Es wurden die Betriebe mit Marktobsterzeugung im Land gezählt und auch deren Anbau. Die Ergebnisse, insbesondere die Anbauflächen, sind mit den Vorjahren nur bedingt vergleichbar, da es zu einigen methodischen Änderungen kam (Mindesterfassungsgrenzen der Betriebe u.a.). Der Trend zu Dichtpflanzen besteht weiter, es gibt mehr Bäume auf tendenziell weniger Fläche.

Spätfröste und schlechtes Wetter zur Obstbaumblüte

Während des in Norddeutschland überwiegend milden und nassen Winters 2001/2002 kam es zu keinen oder nur geringen Frostschäden an den Obstgehölzen. In der 5. Woche lagen die Temperaturen um bis zu 9,5°C über den langjährigen Werten! Hohe Durchschnittstemperaturen im Februar und März verleiteten die Obstbäume allerdings zu einer frühen Blüte. Einzelne Kirschbäume früher Sorten blühten schon Anfang April.

Leider schadete dieser Vegetationsvorsprung den Obstbaumblüten. Vom 5. bis 10. April kam es zu starken Nachtfrösten. Die Temperaturen waren so tief und anhaltend, dass auch die meist noch geschlossenen Blüten teilweise erfroren. Je weiter sich eine Obstbaumblüte öffnet, um so frostanfälliger wird sie. Die Frostschutzberegnungen in vielen Marktobstplantagen an der Niederelbe kamen zum Einsatz. Trotzdem erlitten nach den Schätzungen der Berichterstatter z. B. rund 30% der Kirschbäume mittlere bis große Frostschäden an den Blüten. Dann folgte bis Anfang Mai meist ein kühles, feuchtes und windiges Wetter. Der Bienenflug und damit die Befruchtung der Blüten waren deswegen schlechter als in den Vorjahren. Die Berichterstatter beurteilten dieses Jahr den Insektenflug zur Obstbaumblüte mehrheitlich als unzureichend.


Nach diesem Wetterverlauf während der Obstbaumblüte verwundert es nicht, dass die Berichterstatter schon in der Umfrage zum 10. Juni mit einer sehr geringen Kirschenernte rechneten. Nach drei sehr guten Kirschjahren wurden die noch möglichen Erträge der Süßkirschen, mit 448 Hektar Anbaufläche nach den Äpfeln (6612 ha) die zweithäufigste Obstart in den niedersächsischen Marktobstbetrieben, zum Stichtag 10. Juni auf weit weniger als die Hälfte der Vorjahresernte geschätzt. Dann kam es in der 29. Woche (17. und 18. Juli) zu Rekordniederschlagsmengen im Kammergebiet Hannover. Damit war die Kirschenernte vorbei, denn die reifen Spät-Kirschen platzten bei der Feuchtigkeit auf und konnten nicht mehr verkauft werden. Die drei häufigsten Steinobstarten in den niedersächsischen Marktobstbetrieben (Süßkirschen, Pflaumen, Sauerkirschen) werden als nicht lagerfähige Saisonware neben dem Hauptproduktionszweig, dem Apfelanbau, angebaut und liefern zusammen mit den auch häufig zusätzlich angebauten Beerenfrüchten erste Einnahmen im Erntejahr.

Das ungünstige Wetter zur Blüte bewirkte eine relativ lange Blütezeit. Feuchtes Wetter und eine lange Blüte bieten den Sporen der Spitzendürre (Monilia) lange Gelegenheiten, über die Blüte die jungen Triebe zu infizieren. An vielen Kirschbäumen, insbesondere Sauerkirschen, hingen dieses Jahr im Juni und Juli statt bald reifender Früchte die wegen dieser Pilzkrankheit abgestorbenen, verdorrten jungen Triebe an den Zweigen.

Die guten Vegetationsbedingungen mit Wärme und Feuchtigkeit im Mai und Juni hatten die Obsthölzer vor allem in das Wachstum der Bäume und nicht in die Fruchtbildung gesteckt. Dadurch war der Juni/Julifall relativ hoch. Es fehlte die Sonne. Die Schäden durch das zu lange in den Plantagen stehende Wasser nach den Dauerregenfällen Mitte Juli bis Mitte August an den Bäumen sind hoch. Viele Bäume, insbesondere die empfindlichen Kirschen, müssen ersetzt werden.


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Quelle: 
Niedersächsisches Landesamt für Statistik (NLS),
Dezernat 34, Georg Keckl, Tel.: 0511 9898 3441, Fax 4344
Weitere Ergebnisse aus der Erntestatistik finden Sie unter:
http://www.nls.niedersachsen.de/Tabellen/Landwirtschaft/Landwirtschaft.html
E_mail: georg.keckl@nls.niedersachsen.de