Wie gut ist unser Wasser?

 


Wasser ist lebensnotwendig. 
Der Mensch benötigt Wasser als Baustoff, Lösungs-, Transport- und Kühlmittel. Täglich verliert er etwa 2,5 Liter Flüssigkeit über Schweiß, Atemluft und Harn. Da Wassermangel rasch zu schwerwiegenden Schäden führt, müssen die täglichen Verluste ersetzt werden. Denn: Schon nach 2 bis 4 Tagen ist der menschliche Körper nicht mehr in der Lage, harnpflichtige Substanzen auszuscheiden. Es kommt zu Bluteindickung und Kreislaufversagen. Normalerweise liefert die Nahrung etwa die Hälfte der Flüssigkeit. Die restlichen 1,5 Liter müssen Getränke beisteuern. Mineral- und Leitungswasser stellen hierbei geeignete Durstlöscher dar. Doch: Wie gut ist unser Wasser? Dieser Frage gingen Wissenschaftler auf der Ernährungsfachtagung der DGE-Sektion Baden-Württemberg nach.


Trinkwasser, Mineralwasser, Quellwasser, Tafelwasser
Trinkwasser, das rechtlich als Lebensmittel gilt, erfüllt festgesetzte, analytisch kontrollierte Anforderungen. Gemessen am Gesamtwasserbedarf von 129 Litern pro Kopf und Tag wird Trinkwasser zum Essen und Trinken bzw. zur Nahrungszubereitung nur zu ca. 3 % (4 l) genutzt. Aber dort, wo es benötigt wird, muss es jederzeit hygienisch und chemisch vollkommen einwandfrei sein. Trinkwasser wird überwiegend aus Grundwasser gewonnen. Hier ist nur eine geringe oder sogar überhaupt keine Aufbereitung nötig, weil der Boden sehr gute Filterwirkungen besitzt. Zur Gewinnung von Trinkwasser aus Oberflächenwasser sind dagegen umfangreiche Reinigungsschritte unumgänglich.
In der Trinkwasserverordnung sind für zahlreiche Stoffe Grenzwerte und Bestimmungen
Mineralwässer werden aus natürlich oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen, die ihren Ursprung in unterirdischen, von Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen haben. Natürliches Mineralwasser darf nur ein Mineralwasser heißen, das amtlich anerkannt ist. Es bedarf keiner oder nur äußerst geringfügiger Aufbereitung. Zugelassen sind nur Belüftung, Kohlensäurezusatz und Filtration, z. B. um Eisen zu entfernen. Im Gegensatz zu Trinkwasser gelten für natürliches Mineralwasser nur wenige Grenzwerte.
Quellwasser ist ein Wasser, das seinen Ursprung ebenfalls in unterirdischen Wasservorkommen hat. Allerdings sind die Anforderungen an die Inhaltsstoffe im Vergleich zum natürlichen Mineralwasser geringer. Hier müssen keine Mindestmengen an Mineralstoffen festgelegt. Dazu gehören neben der Anforderung „frei von Krank­heitserregern“ Grenzwerte für Nitrat (50 mg/l), Nitrit (0,1 mg/l), Pflanzenschutzmittel oder Schwermetalle sowie Stoffe, die das Wasser charakterisieren, z. B. pH-Wert oder Wasserhärte.
enthalten sein, auch wird keine ursprüngliche Reinheit verlangt.
Tafelwasser ist eine Mischung aus Trinkwasser und Mineralwasser und damit kein natürlich gewonnenes Wasser. Bezüglich seiner Beschaffenheit gelten die relevanten Trinkwasser-Grenzwerte für die gesundheitlich relevanten Stoffe.


Wasser als Nährstofflieferant
Trinkwasser ist kein einheitliches Produkt. Es enthält in Abhängigkeit von geologischen und regionalen Gegebenheiten Inhaltsstoffe in unterschiedlicher Größenordnung und Zusammensetzung. Wasser ist ernährungsphysiologisch um so wertvoller, je mehr essentielle Mineralstoffe und Spurenelemente und je weniger unerwünschte Stoffe wie toxische Schwermetalle darin enthalten sind.
Die mittleren Konzentrationen an Mineralstoffen liegen im natürlichen Mineralwasser weit über denen von Leitungswasser. „Mineralwässer enthalten im Durchschnitt fast 3-mal soviel Natrium wie Trinkwasser“, so Priv-Doz. Dr. Heimo Franz Schimatschek und Prof. Hans-Georg Classen, Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Hohenheim und stellvertretender Sektionsleiter der DGE Baden-Württemberg. Ein mineralstoffreiches Mineralwasser (mehr als 500 mg Gesamtmineralien pro Liter) kann die empfohlene tägliche Zufuhr an Magnesium, Calcium und Natrium zu etwa 20 - 25 %, 45 % und 22 % decken, während der Beitrag von Leitungswasser zumeist nur bei ca. 3 %, 6 % und 3 % liegt.


Unerwünschte Stoffe im Trinkwasser
Unerwünschte Stoffe im Leitungswasser sind z. B. Blei, Arsen und Nitrat sowie Arzneimittel. Einige wie Blei stellen eher ein historisches Problem dar. Nitrat hingegen gelangt durch Gülledüngung ins Grundwasser und somit ins Trink­wasser. Im Körper kann es zu Nitrit umgewandelt werden. Gelangt Nitrit in das Blut von Säuglingen, wird der Transport von Sauerstoff blockiert. Es kommt zur sog. „Blausucht“, und das Kind kann ersticken. Arzneimittel und ihre Metaboliten gelangen mit dem Urin in das Abwasser, passieren zum Teil die Kläranlagen und kommen so wieder ins Trinkwasser. Grundsätzlich sind die Grenzwerte für chemische Stoffe so angesetzt, dass bei lebenslangem Genuss von täglich 2 Liter ungünstige gesundheitliche Auswirkungen praktisch auszuschließen sind. Die bei den regelmäßigen Kontrollen in den Wasserwerken ermittelten tatsächlichen Werte liegen in der Regel um ein Vielfaches unter den Grenzwerten.


Sind Viren im Wasser ein Problem?
Bei den Viren, die möglicherweise in den Wasserkreislauf gelangen könnten, handelt es sich um Krankheitserreger wie z. B. Adenoviren, Rotaviren oder Enteroviren. Abgesehen von den Enteroviren führen die häufigsten Viren zu einer Infektion des Magen-Darm-Traktes. Die Enteroviren verursachen hingegen eine Infektion, die meist unter dem Bild einer Sommergrippe verläuft, aber auch zu Störungen des Zentralnervensystems führen kann. Um das Auftreten von Viren im Trinkwasser zu vermeiden, muss daher eine wirksame Trinkwasseraufbereitung durchgeführt werden. Alleinige Desinfektionsmaßnahmen mit Chlor sind hier ungenügend. Dagegen sind Filtrationsverfahren, wie sie in Deutschland angewendet werden, sehr wirkungsvoll.


Empfehlungen der DGE:
Trinken Sie mindestens 1,5 Liter täglich. Trink- und Mineralwasser löschen gut den Durst.
Calcium- und magnesiumreiche Mineralwässer können die Mineralstoffversorgung sinnvoll ergänzen.
Trinkwasser aus der öffentlichen Versorgung ist einwandfrei. Eine Belastung durch Schwermetalle ist gering. Es kann jedoch durch hausinterne Zuleitungen (z. B. Kupfer- oder Bleirohre) verändert werden. Leitungswasser sollte man daher vor der Entnahme für Trink- und Lebensmittelzwecke ablaufen lassen.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist die Kenntnis der Zusammensetzung des Wassers wichtig, insbesondere bei Risikogruppen wie Säuglinge oder Schwangere. Zur Beurteilung reichen in der Regel die Angaben der Erzeuger. Nur falls ein begründeter Verdacht entsteht, kann eine chemische Analyse am Wasserhahn in Erwägung gezogen werden.

 


 Quelle:  2002 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., www.DGE.de