Erntedankfest 2001

Bardowick feierte Norddeutschlands größtes Erntedankfest 
Hermann sagte "Ja"

Terrorwelle in den USA überschattet Bardowicker Erntefest - Andacht im Dom statt Festball

Überschattet von den Terroranschlägen auf die USA fand das 50. Bardowicker Erntedankfest statt - durch den Schrecken auf seinen ursprünglichen Sinn zurückgeworfen. Alle Redner forderten, die Selbstverständlichkeit, mit der die  Gesellschaft ihren Wohlstand betrachte, für einen Moment auszusetzen. Hermann Bardowicks, Vorsitzender des Festausschusses des Bardowicker Gemüsebauvereines sagte: "Wenn man die fürchterlichen Ereignisse sieht, sollte man dankbar sein, am Leben zu sein, ausreichend zu essen zu haben und in Frieden zu leben." Samtgemeindebürgermeister Manfred Heinrichs forderte, "sich nicht unterkriegen zu lassen". Nur zum Tanzen war den Veranstaltern nicht mehr zumute: Der Ernteball fiel aus, stattdessen fand eine Andacht im Dom statt. Auch Pastor Hans-Jürgen Pommerin betonte: "Wir feiern dennoch: Unsere Freude am Leben ist nicht zu ersticken. Wir sehen, dass Arbeit und Mühe Lohn bringen, sehen das Wachsen und Gedeihen unserer Ernte - die Natur bietet genug zum Leben für alle." Eine Minute lang hielten die Besucher inne, gedachten still der Opfer und ihrer Angehörigen. Lange hatte der Ausschuss in einer Sondersitzung überlegt, das Fest abzusagen. Hermann Bardowicks bringt das Resultat auf den Punkt: "In dem Fest steckt zu viel Zeit, Arbeit und Geld. Die Wagen waren schon fertig. Außerdem ist es ein kirchliches Fest. Wir stecken den Kopf nicht in den Sand." Ob er selbst das einige Minuten später gern getan hätte ? Kurz vor dem Umzug rollte ein Festwagen auf den Platz in der Worth, der keiner war. Ihn schmückte ein riesiges Herz, davor saß eine holde Blonde im Brautkleid: Bardowicks Freundin Elke hielt um seine Hand an. "So hab' ich das nicht bestellt", war die erste, leicht verdatterte Reaktion des Angebeteten. Doch dann griff er ohne zu zögern zum Mikrophon: "Es gibt nur eine Antwort: ja." Anschließend verriet der Bräutigam, dass er "schon was Piepen" gehört habe. Kurz darauf rollten sie an: 26 von Erwachsenen und 22 von Kindern und Jugendlichen geschmückte Motiv-Wagen, angeführt vom Anhänger mit der Erntekrone, die der Umzug auf seinem Weg durch den Ort im Bardowicker Dom entgegengenommen hatte. "Mehr Gruppen denn je haben sich beteiligt", freute sich Bardowicks. Dahlien, Weizen, Wurzeln - alles, was Bardowicks Böden hergeben, diente als Putz. Sieben Musikzüge gaben ihr Bestes, um die rund 6000 Zuschauer entlang der Straßen in Stimmung zu bringen. Doch unbeschwerte Fröhlichkeit wollte nicht recht aufkommen. Birgit Matthies von der Wagenbaugemeinschaft Bahnhof schildert ihren Eindruck: "Die Zuschauer scheinen bedrückt, sonst wurde mehr geklatscht  und gerufen."

Prämierte Wagen: Jugend: 1. Die Flötenmäuse, 2. Wiencke und Jelte Mertens, 3. Wagenbaugemeinschaft (WBG) Bahnhof. 
Erwachsene: 1. Der Bardowicker Bulle, WBG Nadeldieck, 2. Die Bardowicker Trümpfe, WBG Stefan Kruse 3. Gemüsecocktail, WBG Meyer/Fenselau.