Gemüse ist mehr als ein Nahrungsmittel

Lycopin reicht nicht, es braucht die ganze Tomate zur Vorbeugung vor Prostatakrebs 

Seit vielen Jahren und aus vielen Untersuchungen ist der Zusammenhang zwischen einem erhöhten Verzehr von Tomaten oder Tomatenprodukten und einem verringerten Erkrankungsrisiko an Prostatakrebs, Herzinfarkt und anderen Krankheiten bekannt.

Fast einhellig wurde die positive Wirkung von Tomaten dem roten Farbstoff Lycopin, einem sekundären Pflanzenstoff aus der Gruppe der Karotinoide, zugeschrieben. Dies vor allem, weil bei Prüfung verschiedener Inhaltsstoffe immer wieder der engste statistische Zusammenhang zwischen der ermittelten Lycopin-Aufnahme und der Risikominderung gefunden wurde.
Nun gingen Thomas W.-M. Boileau und Kollegen, Universität von Illinois und der Ohio-State-University, in Tierversuchen der Frage nach, ob die gefundene Wirkung tatsächlich und allein dem Lycopin zuzuschreiben ist. Die Tiere bekamen Lycopin in reiner Form und zum Vergleich Tomatenpulver. Das Ergebnis besagt klar: Eine Risikominderung geht nicht von reinem Lycopin aus, sehr wohl jedoch von Tomatenpulver, also nur vom ganzen Produkt.
Die Autoren vermuten, dass Tomaten zusätzlich zu Lycopin Stoffe (phytochemicals) enthalten, die die Krebsentstehung hemmen. Das Ergebnis geht in eine ähnliche Richtung wie die drei großangelegten, aber missglückten Versuche, durch Verabreichung von reinem ß-Karotin das Risiko für Lungenkrebs zu vermindern.
„Jede Isolierung von einzelnen, als gesundheitlich wirksam erkannten, bioaktiven Substanzen und deren erhöhte Einnahme bringt natürliche Regulationsmechanismen durcheinander und kann die gegenteilige Wirkung hervorrufen“, schrieb Regina Naumann schon 1997 in ihrem Buch : „Bioaktive Substanzen, die Gesundmacher in unserer Nahrung.“

 

Quelle:Thomas W.-M. Boileau, Zhiming Liao, Sunny Kim, Stanley Lemeshow, John W. Erdmann, Jr., Steven K. Clinton: „Prostate Carcinogenesis in N-methyl-N-nitrosourea-Testosteron-Treated Rats Fed Tomato Powder, Lycopene, or Energy-Restricted Diets“. Journal of the National Cancer Institute, Vol. 95, No. 21,1578–1586, 5. November 2003

 



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