Freilichtmuseum im Miniformat

Relikte der Bardowicker Dorfgeschichte gibt es in Hülle und Fülle. Nur kaum jemand kennt sie, weil das Erbe der Vorfahren in Vergessenheit und schlichtweg aus den Augen geraten ist. Sortiermaschine für Saatgut, Strohschneider, Runkelrübenschneider für Rinderfutter, Apfelsaftpresse, Sensen, Harken, Pflüge: "Das sind alles Geräte der alten Bardowicker Bauern aus der Zeit vor dem Elektromotor", sagt Dr. Michael Epkenhans, Vorsitzender des Windmühlenvereins, der das Heimatmuseum Gildehaus betreibt. Dort im Garten steht das einstige Handwerkszeug der Landwirte Besuchern nun für eine Reise in die Vergangenheit bereit. "Mithilfe historischer Aufnahmen vom Ende des 19. Jahrhunderts konnten wir die Geräte zeitlich zuordnen", berichtet Epkenhans. Woher und von wem die Geräte stammen, das sei nicht mehr nachvollziehbar. "Irgendjemand hat sie irgendwann einmal abgegeben - und seitdem rotteten sie vor sich hin, weil sich keiner darum gekümmert hatte", erklärt der Vorsitzende des Windmühlenvereins. Das ehrenamtliche Team des Gildehauses mit Harry Volke, Martin Bauland, Thorsten Klepper und Claas-Tido Mundhenke hat sich der Exponaten angenommen. "Wir haben sie Brett für Brett auseinandergenommen und danach wieder zusammengesetzt. Wir konnten nur noch erahnen, um was es sich im Einzelnen handelte. Der Holzwurm war drin und die Geräte total vergammelt", berichtet Harry Volke.

Die Mühe hat sich gelohnt. Denn inzwischen hat sich der restaurierte Fundus vergrößert: So können sich Besucher auch historische Waschmaschinen und Wäschemangeln, Zentrifugen zum Buttermachen und Holzschuhe für Pferde ansehen. Besonders ist, dass die fleißigen Sanierer die Werkzeuge und Ackergeräte auf Wunsch auch vorführen - bis auf die Holzschuhe der Pferde."Das alles erinnert an ein kleines Freilichtmuseum", meint Epkenhans - und sei deshalb besonders gut für Kinder geeignet. Das Angebot des Gildehauses könne prima in den Unterricht eingebunden werden zum Thema "Ein Dorf im Wandel", ruft er Lehrer aus der Region auf, mit ihren Klassen das Bardowicker Heimatmuseum anzusteuern.Zurzeit haben sich die Helfer des Gildehauses weitere vergessene Relikte der Dorfgeschichte vorgenommen: kistenweise Scherben. "Die archäologischen Funde werden sortiert. Ein Großteil war auf dem Boden des Bauhofes eingelagert. Jahrzehntelang hat sich auch darum niemand gekümmert", erzählt Epkenhans.

Quelle: Lüneburger Landeszeitung, 08.08.07