Das Gildehaus

Im 12. Jahrhundert entstanden neben Kaufmanns-, Schutz- und anderen Gilden die Zünfte als Handwerksgilde. Bereits um 1400 existierte in Bardowick eine Gilde. "Unserer lieben Frau", an ihrer Spitze standen mindestens zwei Gildemeister. Während des 30 jährigen Krieges fiel das Gildehaus dem Brand von 1627 zum Opfer. Aus der Inschrift über der ehemaligen "Missendöör" geht hervor, dass das Gildehaus in Bardowick bald nach dem Kriegsende  (1648) wieder aufgebaut wurde: " Vor allem Unglück und Gefahr O Herr Jesu dies Gildehaus bewahr. Anno 1651." Später ging das Gildehaus in das Eigentum des Fleckens über und es bekam die Funktion des Rathauses.  Vor dem Gildehaus wurden die sogenannten "Eddags", alljährliche Versammlung der Hauswirte, und die Ratsversammlungen abgehalten. Die Titulierung der Ortsvorsteher als Rathmann hat sich bis heute erhalten. Von 1939 bis 1969 nahm die Bardowicker Gemeindeverwaltung das Gildehaus in Anspruch. Im Rahmen der Nutzung des Gildehauses durch den Flecken wurde dort auch ein Trauzimmer eingerichtet. Dieses Trauzimmer wird heute noch genutzt. Die ganze Trauungszeremonie wird in plattdeutscher Sprache gehalten. Neben dem Trauzimmer beherbergt das Gildehaus eine Dokumentationsstätte für die Bardowicker Geschichte. Unter anderem werden im Gildehaus einzelne Münzen gleicher Prägung des bedeutenden Münzschatzes ausgestellt, der 1912 zufällig ausgegraben wurde. Der Fund umfasste etwa 500 Münzen, darunter 300 Original Bardowicker Denare, 100 Brakteaten und für den Grenzverkehr in Bardowick geprägte "Wendenpfennige"- wichtige Zeugen der Blütezeit Bardowicks als Handelplatz und Münzstätte.

 

 

 

Quelle: Flecken Bardowick (1995): Festschrift zum 1200- jährigen  Jubiläum