Der Nikolaihof

Der Nikolaihof ist in seiner Art einzigartig in Norddeutschland. Der Nikolaihof ist eine vollständig erhaltene mittelalterliche Wohnanlage mit mehreren Wohnhäusern, Scheuen und einer kleinen Backsteinkirche, wunderschön eingebettet in einem kleinen Eichenwald. Dieser Hof inmitten von Bardowick wird von der Stadt Lüneburg verwaltet. Die Zeit der Entstehung geht ins13. Jahrhundert zurück.
Die Stadt Lüneburg wollte gefährliche Kranke aus der Stadt verbannen und setze dafür eine "domus leprosum" den Bardowickern  direkt an den Ortsrand. In diesen Unterkünften wurden Leprakranke aus Lüneburg untergebracht und versorgt. Wer damals durch Erscheinungen auf der Haut als leprakrank ausgemacht wurde, dem wurde dann die Totenmesse gelesen. Somit war er aus der Gemeinschaft der Lebenden und der Kirchengemeinde ausgeschlossen. Erst 1293 tauchte in einer Herzogenurkunde die Bezeichnung Sankt Nikolai auf, und 1306 wird der erste Geistliche auf St. Nikolai urkundlich erwähnt. Um 1350 wurde der Nikolaihof in ein Alten- und Siechenheim umgewandelt. Wer aufgenommen werden wollte, musste sich einkaufen.. Auch Lüneburger Ratsherren kauften sich ein, was auf einen guten Ruf des Alterssitz schließen lässt. Allerdings wohnten Männer und Frauen, auch Ehepaare, getrennt in verschiedenen Häusern und durften sich tagsüber nur für kurze Zeit und nur mit Genehmigung sehen. 1435 wurde die alte baufällige Kapelle abgerissen und eine neue gotische Backsteinkirche, so wie sie bis heute erhalten ist, wurde erstellt. 1441 wurde ein Kreuzaltar, der vierte neben dem Hoch-, Georgs- und Nikolausaltar, gestiftet. Um1450 wurden das Frauen-, Männer und Pfarrhaus erbaut. Einrichtungen aus damaliger Zeit, wie z.B. Kochstellen sind noch erhalten. Das Provisorenhaus und die Zehntscheune wurden um 1600 erstellt. Alle diese Gebäude sind bis heute erhalten und geben das Bild des Nikolaihofs wieder.
Die Kirche ist einschiffig und gewölbt in hiesiger Backsteintradition gebaut. Die gesamte Glasmalerei stammt aus der Zeit um 1600. Der Kronleuchter wurde 1660 gestiftet. Die Orgel soll in ihren vier ältesten Registern zu den ältesten der Welt gehören. 1445 wurde sie von Hinrich Lange von der St. Johanniskirche aus Lüneburg gekauft. Die vorn sichtbaren Pfeifen sind um 1436 aus Blei gegossen worden und haben einen besonderen Klang.
Die ganze Anlage wurde nach Nikolaus, dem heiligen Schiffer, benannt und als Hof bezeichnet, da dort bis vor ca. 130 Jahren Landwirtschaft betrieben wurde. Der Nikolaihof ist eine eigenständige Stiftung, die von der Stadt Lüneburg verwaltet wird.

Informationen über Öffnungszeiten erhalten Sie hier: http://www.evlka.de/extern/kdfet-heide/kirchen/nordheide/html/04_bardowick.html

 

Quelle: Festschrift zum 1200 jährigen Jubiläum, Flecken Bardowick (1995)